8. März 2017: Internationaler Frauentag und 100. Jahrestag der russischen Revolution

von Adrian Zimmermann am 8. März 2017

Eine Hungerdemonstration von Arbeiterinnen stand am Anfang der bedeutendsten sozialen Umwälzung des 20. Jahrhundert, der russischen Revolution. Anlässlich des seit der 2. internationalen Konferenz der sozialistischen Frauen in Kopenhagen 1910 jährlich gefeierten Internationalen Frauentags zogen Arbeiterinnen am 8. März 1917 begleitet von den ausgesperrten und als kämpferisch bekannten Metallarbeitern der Putilow-Werke nach Petrograd (St. Petersburg) und riefen zum Generalstreik auf. Die Truppen weigerten sich, gewaltsam gegen die Proteste vorzugehen und fraternisierten mit den Arbeiterinnen und Arbeitern. Nach nur vier Tagen dankte der Zar ab und wurde von einer vorerst bürgerlichen „provisorischen Regierung“ ersetzt. Die reale Macht lag aber zunehmend beim Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat, der sich während des spontanen Aufstands gebildet hatte. Am 27. März (nach dem julianischen Kalender 14. März) 1917 erliess der Sowjet (russisch für Rat) einen vom Zimmerwalder Manifest inspirierten „Aufruf an die Völker der ganzen Welt“, den Krieg „ohne Annexionen und Kontributionen“ zu beenden und es dem Beispiel der russischen Arbeiterinnen, Arbeiter und Soldaten gleichzutun. Der Aufruf findet sich in einem hier zu findenden Dossier aus dem Archiv des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbunds in französischer (S. 6) und deutscher (S. 22 und 24) Sprache. Der 8. März entspricht im damals in Russland noch gebräuchlichen julianischen Kalender dem 23. Februar, weshalb diese Ereignisse als „Februarrevolution“ in die Geschichte eingingen.

100 Jahre später feiern weltweit Millionen den Frauentag und protestieren besonders gegen die vom neuen US-Präsidenten Trump wieder mit schamloser Offenheit propagierte Frauenfeindlichkeit. Trump ist bekanntlich ein grosser Bewunderer Putins. Dieser hat in Russland das demokratisch-sozialistische Erbe der russischen Revolution an den Rand gedrängt. Vielmehr begründet er seine zunehend diktatorische Herrschaft mit einer perversen Mischung aus den erzautoritären Ideologien des Zarismus, der reaktionären Lehren des orthodoxen Klerus und einer beschönigenden Sicht auf die Stalinsche Despotie. Das demokratische Selbstbestimmungsrecht anderer Nachfolgestaaten der Sowjetunion und des syrischen Volkes unterdrückt Putins Regime bekanntlich mit dem mal offenen mal verdeckten, aber immer brutalen und mörderischen Einsatz seiner Kriegsmacht.

Damals wie heute gehören der Kampf für die Rechte der Frauen, der Arbeiterinnen und Arbeiter, für demokratische Freiheitsrechte und den Frieden eng zusammen.

Übersichten zu Aktionen zum 8. März 2017 in der Schweiz finden sich auf der Seite der WoZ und der SGB-Frauen .

Wie der Internationale Frauentag 1917 in der Schweiz gefeiert wurde (aus der sozialdemokratischen Frauenzeitung „Vorkämpferin“ vom April 1917).

 

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